SQL Server Reporting Services (SSRS) ist seit SQL Server 2000 der Standard für On-Premises-Reporting in Microsoft-Umgebungen. Mit dem Aufstieg von Power BI hat Microsoft 2017 den Power BI Report Server eingeführt — eine On-Premises-Variante, die klassische SSRS-Reports (.rdl) und moderne Power BI-Berichte (.pbix) unter einem Dach vereint.
Der entscheidende Unterschied: SSRS ist ein reiner Berichts-Server, der SQL-Abfragen in tabellarische oder grafische Reports rendert. Power BI Report Server ist eine Obermenge — er kann alles, was SSRS kann, und stellt zusätzlich interaktive Power BI-Dashboards bereit, ohne dass Daten die eigene Infrastruktur verlassen müssen.
| Merkmal | SSRS | Power BI Report Server |
|---|---|---|
| Paginated Reports (.rdl) | Ja | Ja |
| Power BI Reports (.pbix) | Nein | Ja |
| Mobile Reports | Eingeschränkt | Ja (React-basiert) |
| KPIs / Dashboards | Nein | Ja |
| Excel-Export | Ja | Ja |
| Subscriptions / E-Mail | Ja | Ja |
| Data-driven Subscriptions | Ja | Ja |
| REST API | v1 (veraltet) | v2.0 (OpenAPI) |
| Weboberfläche | Report Manager (veraltet) | Modernes Web-Portal |
| Entwicklungswerkzeug | SSDT / Report Builder | Power BI Desktop (RS-Build) + Report Builder |
| Lizenz | SQL Server-Lizenz inkl. | SQL Enterprise + SA oder Power BI Premium |
| Release-Zyklus | Mit SQL Server (ca. 3 Jahre) | Monatlich (Januar, Mai, September) |
| End-of-Support SSRS 2016 | Juli 2026 | Aktiv gepflegt |
SSRS 2016 — End of Support
- Mainstream Support endete Januar 2022
- Extended Support endet Juli 2026
- Danach: keine Sicherheits-Patches mehr
- Report Manager (Silverlight-Ära) veraltet
- Kein Support für .pbix-Berichte
Power BI Report Server — Vorteile
- Volles .rdl-Kompatibilität — Migration ohne Neuentwicklung
- Modernes Web-Portal, kein IE/Silverlight
- Power BI Desktop-Berichte On-Premises
- REST API v2 für Automatisierung
- Aktiv entwickelt (monatliche Releases)
| Komponente | Mindestanforderung | Empfehlung |
|---|---|---|
| Betriebssystem | Windows Server 2016 | Windows Server 2022 |
| SQL Server (Katalogdatenbank) | SQL Server 2014 | SQL Server 2019 / 2022 |
| CPU | 2 Kerne | 4+ Kerne |
| RAM | 4 GB | 16 GB |
| .NET Framework | 4.6 | 4.8 |
| Lizenz | SQL Enterprise + SA | oder Power BI Premium P1 |
| Power BI Desktop (RS) | Passend zur Server-Version | Immer gleiche Version wie Server |
ReportServer und ReportServerTempDB) werden auf einer SQL Server-Instanz angelegt, die separat betrieben werden kann.
-
Installer herunterladen Download von microsoft.com/en-us/download/details.aspx?id=56722 — immer die aktuellste Version (Januar / Mai / September Release). Achtung: Installer-Version muss zur Power BI Desktop (Report Server)-Version passen.
-
Installer starten — nur Report Server installieren Im Setup-Assistenten "Install Power BI Report Server" wählen. Es wird kein vollständiger SQL Server installiert — lediglich der Reporting Services-Dienst.
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Product Key eingeben Developer Edition (kostenlos für Testzwecke) oder den Lizenz-Key aus der SQL Enterprise + SA-Vereinbarung bzw. Power BI Premium.
-
Report Server Configuration Manager öffnen Nach der Installation öffnet sich automatisch der Configuration Manager — identisch mit dem SSRS Configuration Manager, jedoch für Power BI Report Server.
-
Dienstkonto konfigurieren Dediziertes Dienstkonto (Domain Service Account) einrichten. Kein Local System in Produktionsumgebungen. Das Konto benötigt SPN-Einträge für Kerberos wenn SSPI verwendet wird.
-
Webdienst-URL konfigurieren Standard-Port 80 (HTTP) oder 443 (HTTPS mit SSL-Zertifikat). Empfehlung: Sofort HTTPS konfigurieren. Wildcard-Zertifikate werden unterstützt.
-
Katalogdatenbank erstellen Im Configuration Manager "Database" wählen, SQL Server-Instanz angeben. Der Assistent erstellt
ReportServerundReportServerTempDBautomatisch. Bei Migration: bestehende Datenbank hier einbinden (siehe Tab Migration). -
Web Portal-URL konfigurieren Separate URL für das Web-Portal (z.B.
https://reportserver/reports). Abweichend von SSRS: URL-Pfad ist frei konfigurierbar. -
E-Mail-Konfiguration (optional) SMTP-Server für Report-Subscriptions und Abonnements hinterlegen. Unterstützt TLS und anonyme Zustellung.
-
Execution Account konfigurieren Für unbeaufsichtigte Ausführung von Reports ohne gespeicherte Anmeldedaten. Typisch für automatisierte Subscriptions.
Für die Entwicklung von .pbix-Berichten ist die Report Server-optimierte Version von Power BI Desktop erforderlich — nicht die Standard-Version aus dem Microsoft Store. Beide Versionen können parallel installiert werden.
# Power BI Desktop (Report Server) per winget installieren winget install --id Microsoft.PowerBIReportServer -e # Oder per direktem Download (Version muss zum Server passen) # https://www.microsoft.com/en-us/download/details.aspx?id=56722
| Prüfpunkt | Tool |
|---|---|
| Dienst "SQL Server Reporting Services" läuft | services.msc |
| Web-Portal erreichbar (HTTPS) | Browser |
| Catalog-Datenbanken vorhanden | SSMS |
| Encryption Key gesichert | Configuration Manager |
| Dienstkonto hat SPN-Einträge | setspn -l DOMAIN\SvcAccount |
| Test-Report deployt und ausführbar | Web-Portal |
| E-Mail-Subscription funktioniert | Web-Portal → Subscriptions |
Microsoft unterscheidet zwei Ansätze: Migration (Daten von Alt auf Neu übertragen) und Upgrade (bestehende Installation aktualisieren). Für SSRS zu Power BI Report Server empfiehlt sich grundsätzlich die Migration auf einen neuen Server — sauberer, risikoärmer und ermöglicht parallelen Betrieb.
Migration (empfohlen)
- Neuer Server, neue Installation
- Katalogdatenbank wird übertragen
- Parallelbetrieb während Übergangsphase
- Rollback jederzeit möglich
- Kein Produktionsausfall
- Cleanere Konfiguration
In-Place Upgrade
- Auf dem gleichen Server
- Nur SSRS 2017+ zu Power BI RS möglich
- SSRS 2016 und älter: nicht direkt supported
- Höheres Risiko
- Kein Parallelbetrieb
- Schneller bei einfachen Umgebungen
-
Inventar erstellen Alle Reports, Data Sources, Subscriptions und Berechtigungen dokumentieren. Tools: Report Server Configuration Manager, SSMS-Abfragen gegen
ReportServer-Datenbank oder der ReportServerCheck (15 SSRS-Reports zur vollständigen Inventarisierung). -
Encryption Key vom Quell-Server exportieren Configuration Manager → Encryption Keys → Back Up → .snk-Datei und Passwort sichern. Ohne diesen Key können verschlüsselte Verbindungsstrings nicht übertragen werden.
-
Katalogdatenbank sichern Vollständiges Backup von
ReportServerundReportServerTempDBauf dem SQL Server. Empfehlung: Copy-Only-Backup, um die Backup-Kette nicht zu unterbrechen. -
Power BI Report Server installieren Neuer Server, Installation wie in Tab "Installation" beschrieben. Im Configuration Manager noch keine neue Datenbank erstellen — vorhandene wird eingebunden.
-
Katalogdatenbank auf neuen SQL Server wiederherstellen Backup von
ReportServerundReportServerTempDBauf dem Ziel-SQL-Server einspielen. Datenbanknamen können beibehalten werden. -
Datenbank im Configuration Manager einbinden Configuration Manager → Database → Change Database → "Choose an existing report server database" → Ziel-SQL-Server und wiederhergestellte Datenbank auswählen.
-
Encryption Key importieren Configuration Manager → Encryption Keys → Restore → .snk-Datei und Passwort aus Schritt 2 verwenden. Erst danach sind verschlüsselte Verbindungsstrings wieder nutzbar.
-
Verbindungsstrings prüfen und aktualisieren Alle Data Sources im Web-Portal prüfen. Bei SQL Server-Namensänderung müssen Verbindungsstrings angepasst werden. Shared Data Sources zentral im Web-Portal editierbar.
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Berechtigungen prüfen Rollen-Zuweisungen (Folder- und Report-Ebene) werden mit der Datenbank migriert. Dennoch Stichproben-Check für kritische Berichte und Ordner.
-
Subscriptions reaktivieren und testen Subscriptions werden migriert, sind aber ggf. inaktiv. Jeden Abonnement auf Status prüfen, Test-Ausführung durchführen. Besondes bei data-driven Subscriptions auf Verbindungsstrings achten.
-
Parallelbetrieb — Verifikationsphase Beide Server parallel betreiben. Endnutzer arbeiten zunächst weiter auf dem alten SSRS, IT prüft auf dem neuen Server. Umschaltung durch URL-Änderung oder DNS-CNAME-Umleitung.
-
DNS-Umschaltung und Abschaltung des alten Servers Nach erfolgreicher Verifikationsphase DNS/URL umleiten. Alten SSRS-Server für 30 Tage beobachten, dann dekommissionieren.
| Artefakt | Kompatibilität | Hinweis |
|---|---|---|
| Paginated Reports (.rdl) | Vollständig | Alle SSRS-Versionen ab 2008 R2 |
| Shared Data Sources (.rds) | Vollständig | Verbindungsstrings prüfen |
| Shared Datasets (.rsd) | Vollständig | |
| Subscriptions | Vollständig | Status nach Migration prüfen |
| Berechtigungen / Rollen | Vollständig | Custom Roles werden übernommen |
| Snapshots / Cache | Teilweise | Cache wird geleert, Snapshots bleiben |
| Mobile Reports (.rsmobile) | Eingeschränkt | Deprecated — Neuentwicklung als .pbix empfohlen |
| Report Builder-Berichte | Vollständig | Report Builder neu installieren |
| Custom Assemblies (.dll) | Manuell | DLLs in bin\ des neuen Servers kopieren |
| SSRS Web Service API (SOAP) | Vollständig | Für Abwärtskompatibilität beibehalten |
-- Alle Reports mit Pfad und letzter Ausführung SELECT c.Path, c.Name, c.Type, MAX(el.TimeEnd) AS LastExecution FROM ReportServer.dbo.Catalog c LEFT JOIN ReportServer.dbo.ExecutionLog3 el ON el.ReportID = c.ItemID WHERE c.Type IN (2, 8) -- 2=RDL, 8=Power BI GROUP BY c.Path, c.Name, c.Type ORDER BY c.Path
-- Alle Subscriptions mit Status SELECT c.Name AS ReportName, s.Description, s.LastStatus, s.LastRunTime, s.MatchData AS Schedule FROM ReportServer.dbo.Subscriptions s JOIN ReportServer.dbo.Catalog c ON c.ItemID = s.Report_OID ORDER BY c.Name
Szenario A — Bank / Finanzdienstleister / regulierte Branche
- Empfehlung Power BI Report Server
- Daten bleiben On-Premises — Cloud-Migration der Rohdaten regulatorisch nicht zulässig
- Bestehende .rdl-Reports laufen ohne Anpassung weiter
- Schrittweise Neuentwicklung in Power BI Desktop möglich
- Lizenz über SQL Enterprise + SA in der Regel bereits vorhanden
Szenario B — Mittelstand ohne strenge Compliance-Vorgaben
- Empfehlung Power BI Service (Cloud) + Paginated Reports
- Kein Infrastrukturaufwand, immer aktuelle Features
- Bestehende .rdl-Reports als Paginated Reports im Service weiterführen (Power BI Premium P1+)
- On-Premises-Daten per On-Premises Data Gateway anbinden
Szenario C — Übergangsphase / Hybridstrategie
- Empfehlung Power BI Report Server jetzt, Cloud später
- Sofortige SSRS-Ablösung ohne Cloud-Entscheidungsdruck
- Neue Berichte direkt in Power BI Desktop entwickeln
- Migration in Power BI Service möglich sobald Compliance-Freigabe vorliegt
- .pbix-Dateien sind zwischen Report Server und Cloud-Service kompatibel
| Feature | Power BI Service | Power BI Report Server |
|---|---|---|
| AI Insights / Q&A (natürliche Sprache) | Ja | Nein |
| Automatische Datenaktualisierung (Cloud) | Ja | Nein |
| Dataflows | Ja | Nein |
| Deployment Pipelines (Dev/Test/Prod) | Ja | Nein |
| Power BI Apps | Ja | Nein |
| Row-Level Security (RLS) | Ja | Ja |
| DirectQuery | Ja | Ja (eingeschränkt) |
| Custom Visuals (zertifiziert) | Ja | Ausgewählte |
| Excel-Analyse (Analyze in Excel) | Ja | Nein |
| Lizenzweg | Berechtigt Power BI RS? | Hinweis |
|---|---|---|
| SQL Server Enterprise + Software Assurance | Ja | Häufigster Weg in Enterprise-Umgebungen |
| Power BI Premium P1 (pro Kapazität) | Ja | Ab ca. 4.812 EUR/Monat |
| Power BI Premium P2 / P3 | Ja | Mehr Kapazität, gleiche RS-Berechtigung |
| Power BI Pro (per User) | Nein | Kein Anrecht auf Report Server |
| SQL Server Standard | Nein | Nur SSRS, nicht Power BI RS |
| SQL Server Developer Edition | Ja (nur Dev/Test) | Nicht für Produktion lizenziert |